Palermo, die Aufstrebende

Palermo, die Aufstrebende

Als ich vor einem Jahr beschloss, diesen Blog zu führen, war mein Antrieb, einen etwas anderen Modeblog zu schreiben, nämlich einen Blog über das Lebensgefühl „Mode“ (und nicht so sehr über die Must-haves der Saison). Egal, wohin ich gehe, Mode umgibt mich, Mode zieht mich an, weil ich nun mal so bin. Wenn ich neue Orte bereise, so geht es natürlich um Architektur, Lebensgefühl, Kultur und Sprache, doch für mich auch immer um Mode. Worauf würde ich in Palermo treffen?

Beeinflusst von der unglaublichen Erfahrung in Neapel vor einem Jahr, machte ich mich auf einen bestimmten Stil gefasst, der sich generationenabhängig durch die Bevölkerung zieht. Doch, nein, ich bin mir keiner inspirierenden Auffälligkeit bewusst geworden in Palermo. In Neapel dominierte Schwarz kombiniert mit Adidas Sneakern. In Palermo…. Tja, in Palermo dominierte eher das Dasein. Wie von einer mediterranen Stadt am beinahe südlichsten Zipfel Europas nicht anders zu erwarten, ist das Beisammensein, die spontanen Ansammlungen an den Piazzen, Gassen und Straßenecken das Gebot des Lebens. „Kleider machen Leute“ erschien mir als Lebensmotto hier geradezu lächerlich. Sicherlich ist Palermo eine Stadt mit vielen Problemen, wie Arbeitslosigkeit und einer paralysierenden Perspektivlosigkeit, die einen eher dazu treiben, sich ums pure Überleben als um die Kleiderauswahl zu kümmern. Eines ist jedoch ganz klar:

Die Palermitaner bleiben bei all dem irgendwie beneidenswert
entspannt und lebensfroh.

In anderen Reiseberichten und -blogs war von der Omnipräsenz der Mafia die Rede und von zum Teil unfreundlichen Stadtbewohnern, doch all dem kann ich nur bedingt zustimmen. Ja, es gibt die Mafia, doch viel auffälliger waren die Plakate, Graffitis und Aufkleber, die die Bekämpfung der Mafia propagierten. Natürlich durfte auch ich am Rande erfahren, dass unser unglaublich sympathischer, von sizilianischem Temperament strotzender Restaurantbesitzer das eine oder andere Wort über Schutzgeld, dem pizzo, fallen ließ. Doch dabei beeindruckte mich (erneut) der Wille, dagegen vorzugehen, der Wille sich nicht unterjochen zu lassen und der Wille, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen. (Einige lautstarke Gespräche am Handy verrieten dies. LOL)

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Anti-Mafia-Sticker an der Haustür.

Wenn wir schon bei einem Modeblog sind, dann sollte der sehr eigene Kleidungsstil dieses Herren nicht unerwähnt bleiben. Auf dem Kopf die „Coppola storta“, am Oberkörper ein Gillet sowie eine merklich uninteressante Jeans und schön, abgetragene Herrenlederschuhe. Beinahe wie der Zeitungsverkäufer auf der Straße aus den 20er Jahren.

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Coppola storta, der typisch sizilianische Herrenhut.

Auch ein Grund, aus dem ich nicht allzu viel über die Modetrends der Frauen in Palermo schreiben kann, ist die Tatsache, dass das Stadtbild von Männern geprägt war. Wohl ein Ausdruck des doch ziemlich stark vorherrschenden Patriarchats in diesem Teil Italiens bzw. Europas. Auf den sehenswerten Märkten, Ballarò e Capo, wo der Orient und Okzident miteinander verschmelzen, sieht man Männern. In den meisten Restaurants bedienten Männer. Auf den Straßen: Männer. In dem, einem Ghetto leider sehr nahe kommenden, Stadtviertel nahe des Hafens: Männer. Und deren Kleidungsstil ist praktisch, nicht ausgesucht.

Glücklicherweise (für diesen meinen Blog) kann ich eine mir den Atem raubende Überleitung zu einem ganz besonderen Mann Palermos an dieser Stelle anfügen. Ich hatte die fantastische Idee, während meines Urlaubs in die Oper zu gehen, ins Teatro Massimo. Unter den Besuchern mischten sich der Casual-Look mit dem, tja, wie möge man das nennen, mit dem Pompös-Ausgefallenen! Während der Pause entdeckte ich einen Mann, dessen Existenz mir nur in Filmen möglich schien. Liberace in Person stand vor mir. Ein Herr um die 60, blondiertes, in einen weichen Seitenscheitel gelegtes mittelkurzes Haar, um die Schultern eine langer Pelzumhang, der die zahlreichen Perlen- und Goldketten um dessen Hals beinahe verschlang. An den Füßen trug der zierliche Herr Damenschuhe mit einem kleinen Absatz so wie es die First Lady der 60er bevorzugte. Um ihn herum scharwenzelten seine Accessoires: junge, bildhübsche, schwule Männer um die 20.

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Das atemberaubend schöne Teatro Massimo.

Ich war baff. Ich war fasziniert von der Selbstverständlichkeit seines Aussehens, seines Gehabes, seiner Entourage! Ziemlich schnell merkte ich, dass außer mir kaum einer starrte, was nur bedeuten konnte, dass er keine unbekannte Persönlichkeit sein konnte. Wie sich am Ende herausstellte war es der Nachkomme einer uralten, reichen Familie aus Palermo. Selbst beim Schreiben überkommt mich das Gefühl, Teil eines Films oder einer Zeitreise in den Barock gewesen zu sein – natürlich nicht zuletzt auch wegen des grandiosen Teatro Massimos.

Ich war baff. Ich war fasziniert von der Selbstverständlichkeit
seines Aussehens, seines Gehabes, seiner Entourage!

Außer Liberace traf ich auch noch den Jäger aus Rotkäppchen, der mit seinem schweren, dunklen Cape die Gänge des alten Theaters nach Wölfen absuchte. Alle anderen Besucher waren wie oben erwähnt entweder deutlich unter dem Auffälligen oder haben ins Schwarze eines 08-15-Outfits getroffen.

Auch wenn ich keine inspirierende Erfahrung in Sachen Mode gemacht habe, so doch in Sachen Lebensgefühl, Durchhaltevermögen und natürlich in Sachen gutes Essen. Palermo ist chaotisch, zum Teil in uralten Zeiten zurückgeblieben, rau, manchmal sehr ernst, laut, auch arm, aber es lebt und die Geschichte hat gezeigt, dass es alles überlebt. Eine starke Stadt, die es sich zu sehen lohnt – mit oder ohne Shopping-Pläne!

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Inspirationsquelle: Sommer

Inspirationsquelle: Sommer

Klar, das Gejammer über den ausbleibenden Sommer nervt langsam gewaltig. Ich darf das aber! Ich war zwei Wochen lang an einem zauberhaften Ort am Mittelmeer, wo es ihn tatsächlich noch gibt: den heißen und verheißungsvollen Sommer, der uns, einer Droge gleich, in einen Dauerrausch versetzt und uns glauben lässt, es gäbe weder (Alltags-)Probleme noch andere Sorgen. Ich liebe das! Doch nach zwei Wochen ist es dann rum. Denn in Hamburg gibt es eben nur zwei Jahreszeiten: Winter und Frühling. Punkt. Aus. Setzen sechs!

Im Urlaub kann man sich gehen lassen, hat keine Verpflichtungen und man genießt einfach das bloße Dasein auf dieser Welt. Ja, ist nichts Neues! Bei mir passiert seit jeher noch etwas ganz anderes: Plötzlich minimiert sich meine Selbstkritik auf einen gesunden Tiefpunkt. Problemzonen sind von der Sonne einfach weggebräunt, in meinem Kleiderschrank gibt es so viele (!) schöne (!) Klamotten und sowieso ist man eigentlich gar nicht so unattraktiv. Genau so eine Einstellung fördert die Kreativität in Sachen Styling bei mir. (Hoffe, das ist nicht nur eine Halluzination, die von der vielen Sonne kommt.)

Aus quasi nichts wird etwas Schönes:

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Den kreativen Kombinationsmöglichkeiten sind im Sommer keine Grenzen gesetzt. Man benötigt noch nicht einmal viele Einzelteile. Die Kunst (und der Spaß) besteht darin, mit den wenigen Klamotten und Accessoires immer wieder Neues zu erschaffen. Hier ein kleiner Überblick, wie das bei mir aussieht:

  1. Eine besondere Kette kann aus einem wenig ausgefallenen Outfit wie Minirock und Top etwas Auffälliges machen.
  2. Einfaches Tank-Top kombiniert mit einer beigen Satin-Caprihose.
  3. Aus einem Top wird ein Kleid! Das lilane Kleid war ursprünglich ein gerafftes Top, das ich einfach langgezogen habe
  4. Grobe Gliederkette kombiniert mit einem weißen Plissée-Kleid.

Und aus langen Röcken können auch einfach Minikleider entstehen: links smaragdgrüner Rock (siehe oben) wird zum Trägerlosen Kleid; genauso wie rechts: ehemaliger Bleistiftrock in Leo-Optik wird mit einem Satingürtel zu einem aufregenden Kleid verwandelt.

Übrigens lohnt es sich, am Ende eines jeden Sommerurlaubs die besten Kleidungsstücke in irgendeiner Art für die nächste Reise zu archivieren. Ich erspare mir so das anstrengende Grübeln im nächsten Jahr, was ich mitnehmen und was getrost zu Hause lassen kann. Meine Methode ist zwar etwas unorthodox, aber dafür unglaublich effizient: Stift und zwei Blatt Papier mitnehmen, auf das eine Blatt Ja“ und auf das andere „Nein“ schreiben, dann zusammen mit den Klamotten abfotografieren, die man viel bzw. gar nicht getragen hat. Noch einfacher geht’s mit Daumen hoch und runter.

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Wenn Minimalismus die Nerven schont

Wenn Minimalismus die Nerven schont

Der Minimalismus: Sinnbild modernen Designs, für manche skandinavischer Geniestreich in Sachen Fashion, Accessoires und Baukunst, für andere oft auch mit Kälte, Einsamkeit und Härte assoziert. Für mich ist es seit diesem 03. Juli 2016 etwas Erstrebenswertes – zumindest wenn es ums Reisen mit der Deutschen Bahn geht.

Angefangen hat alles mit einem nicht allzu spontan geplanten Besuch bei meinen Eltern. Die ganze Familie sollte endlich wieder an einem Ort und in derselben Zeitzone zusammentreffen, um den 1. Hochzeitstag meiner Schwester zu feiern. Wunderbar, Vorfreude pur, Glück floß durch meine Adern, nichts kann uns aufhalten. Natürlich, wie immer, wenn man sich im Glücksbärchi-Modus befindet, sollte man (ich?) am Endes eines Besseren belehrt werden. Ohne diese unerwarteten Schockmomente wäre das Leben aber natürlich sehr fad. „Ohne die Dunkelheit würden wir die Sterne nie sehen“ Blablablablub. Diese ganzen Weisheiten gehen mir in manchen Situationen, wie in der folgenden, reichlich auf den Geist.

Natürlich, wie immer, wenn man sich im Glücksbärchi-Modus befindet, sollte man (ich?) am Endes eines Besseren belehrt werden.

Bei Reisen fängt für Fashionistas alles mit der lästigen Frage an: Wie packe ich möglichst nur einen Koffer, in dem mein ganzer Kleiderschrank Platz findet und der ganz leicht ist? Für mich doch kein Problem mehr. Ich beschränkte mich sehr souverän auf den kleinsten Koffer, den ich besitze, sowie eine Handtasche. Sogar mein monströser Laptop konnte mit. (Ich erwarte jetzt übrigens weit aufgerissene Münder und starre Augen vor den Bildschirmen. Klar, oder?) Super, die einzige Hürde für dieses Wochenende war genommen. Es sollte an dieser Stelle angemerkt werden, dass ich so unschuldig und vernünftig dann doch nicht gewesen war, denn ich wusste, dass ich mit Mama und Schwester shoppen gehen würde. Das tröstete mich ganz schön bei der Aktion, lediglich eine Hose und drei Oberteile einzupacken.

In einem „echten“ Fashion-Blog würde jetzt mehr über die einzelnen Kleidungsstücke stehen, die ich geschickt und mit dem Kennerblick einer Fashionista eingepackt hatte. Doch das Lesenswerte an diesem Beitrag liegt ausnahmsweise mal nicht in der Beschreibung von Modetrends. Ich fuhr also mit meinem süßen, kleinen, eigentlich geschmacklosen Köfferchen mit Eiffelturm-Motiven los. Alles lief wie geplant. Noch! Es folgten eine reibungslose Ankunft (ja, sogar pünktlich), ein herzlicher Empfang durch Mama, Papa und mein Schwesterherz, dann der atemlos machende Austausch der letzten Neuigkeiten untereinander und schließlich etwas später die Ankunft meines tollen Schwagers. Nicht minder perfekt war der Start in den Samstag: 10 Stunden Schlaf, ein reich gedeckter Frühstückstisch und sogar das völlige Ausbleiben ohnehin unnötiger Familienreibereien. Die Kurzreise mauserte sich also langsam, aber stetig zu einem Traumurlaub.

Doch dieser fantastische Flow, der uns über den Samstag trug, sollte 10 Minuten vor der Abreise am Sonntag ein Ende haben.

Kaum waren wir alle zusammen zum Bahnhof gefahren, erfuhren wir die wenig überraschende Ankündigung der Bahn: 15 Minuten Verspätung. Typisch, immer Pech und Pannen, Schicksal, Weltuntergang, verdammte Schwarzrotgold Tütüüüü. Diese harmlos klingenden 15 Minuten bedeuteten für meine Schwester und ihren Mann, dass sie den Anschlusszug nach Kopenhagen verpassen würden, was wiederum dazu geführt hätte, dass sie in Hamburg hätten 2 Stunden warten müssen. Also nahmen sie einen Zug früher. Schön, ideal gelöst, aber der Abschied fiel sehr kurz und abrupt aus. Wir hatten uns noch nicht aufs Aufwiedersehensagen eingestellt, da waren wir schon getrennt worden. So verfiel auch die Reservierung, die ich für uns drei gebucht hatte. Ok, alles nicht so schlimm. Hauptsache sie kommen gut nach Hause.

15 Minuten später fuhr mein erwarteter Zug ein. Eine Frau mit zwei kleinen Kindern, eine Nonne, ein junger Kerl mit Ohrschützern genannt Kopfhörer und ich betraten den Wagen 9. Dieser glich einem Tatort: menschenleer und in rot-weißem Absperrband gehüllt. Schaffner? Fehlanzeige. Verwirrtheit? Weit und breit. Erst als ich die Aufschrift auf den Absperrband las, verstand ich, dass hier der Sommer wieder Einkehr gemacht hatte: 32 Grad aufgrund der ausgefallenen Klimaanlage. Und genau an dieser Stelle komme ich zu dem, was die Überschrift zum Ausdruck bringen soll:

Weniger Klamotten und weniger Taschen können ein Segen sein.

Völlig genervt von der Tatsache, dass die Plätze nicht nur verfallen waren, weil meine Reisebegleitung einen anderen Zug nehmen musste, sondern auch weil der Wagen einen Ausflug in die Tropen gemacht hatte, wusste ich zunächst nicht, was tun. Außer der Frau mit ihren Kindern, der Nonne und dem Typen kamen auf einmal immer mehr Menschen, die im Wagen 9 nicht bleiben konnten oder wollten. Jetzt war genau das eingetroffen, was ich eben mit einer Reservierung vermeiden möchte: Vollgepackt durch die Bahn rennen auf der Suche nach einem freien Platz. Ich beschloss, „den Sommer zu genießen“ und im Wagen 9 zu bleiben. Ich dankte Gott, dass ich den Zwiebel-Look gewählt hatte. Ich zog „Lage für Lage“ aus, bis ich mich zu einem Tanktop durchgekämpft hatte. Lederjacke: check! Lederweste: check! Grau-meliertes Shirt: check!  Ja, das ist der Minimalismus, der mir gefällt. So wenige Klamotten anhaben, dass ich nicht ins Schwitzen komme! Aber hier hört die Geschichte noch lange nicht auf. Schließlich hatte ich ja am Wochenende das „wohlverdiente“ Shopping hinter mich gebracht. Es war der Traum einer jeden Mode-Süchtigen: Schuhe, ein Oberteil und eine Hose. JACKPOT! Außerdem hatte ich allerlei Zeug von zu Hause mitbekommen, inkl. eines Auflaufs, einer Salami, einer alten Spiegelreflex-Kamera von meiner Oma sowie einer TV-Antenne. Ganz normal und gar nicht ungewöhnlich für eine serbische Familie. Daher kam es schließlich, dass ich doch voll beladen war. Aus zwei Taschen wurden dadurch nämlich vier. 

Ich redete mir ein, dass diese Hitze doch für 1,5 Stunden Fahrt auszuhalten sei. „Hey, schließlich habe ich eine Skinny-Jeans in Destroyed-Look und ein Tank-Top. Nicht der Wagen, sondern ich war heiß!'“ Ja, sich selbst was vormachen ist sehr dumm! (Diese Weisheit gefällt mir mal.) Kurze Zeit später traf schon ein wutentbrannter Schaffner ein, der uns sofort aufforderte, den Wagen zu räumen. Jedoch war da kein Anflug nachgelagerter Hilfsbereitschaft zu spüren. Ich wusste nur, dass ich jetzt doch mit 1.000 Sachen und vollgeschwitzt diesen so nervigen Weg durch den Zug nehmen musste. Wohin? Keine Ahnung! P1000995

Jedes Mal, wenn ich mit Gepäck und ohne reservierten Sitzplatz reiste, hatte ich das Gefühl, die Leute mit Reservierung verurteilten mich wie eine Dorfhure: „Oh, siehe da. Das arme Ding. Pssst. Nicht hinschauen!“ Dies geschieht natürlich nur in meinem Kopf, aber es treibt mich so zum Wahnsinn, dass ich ohne Rücksicht auf Verluste durch die Gänge jage. Die Taschen erschlugen auf dem Weg sicherlich ein oder zwei Personen, aber was soll’s, es war ja nicht meine Schuld, dass der Wagen 9 brannte. Doch dann, am Ende meiner Kräfte angekommen, zeichnete sich die Erlösung am Horizont ab: der Speisewagen. „Natürlich, warum kam ich nicht gleich darauf, hier kann ich bleiben, es gibt was zu trinken, ich brauche keine Reservierung. Es ist das Paradies.“ Nein, es konnte noch paradiesischer werden.

Ich erfuhr durch sehr nette Zugfahrende im Bistro, dass ich bei einer „geplatzten Reservierung“ Anrecht hatte auf einen Sitzplatz in der ersten Klasse. Engel flogen um mich herum, Vögel zwitscherten, die Sonne kam heraus und ein Regenbogen tat sich auf, um mir den Weg in die erste Klasse zu zeigen. Da saß ich dann, in einem komfortablen Sitz, mit einem Tisch und zwei Ablagen für meine vier Taschen und drei Oberteile. Und ich konnte nicht anders, als mir selbst einen so unglaublich weisen Spruch für beschwerliche Situationen mit Happy-End zu überlegen: „Wer mehr will, muss mehr zahlen!“ Eventuell reise ich demnächst in der 2. Klasse zu meinen Eltern und in der 1. Klasse wieder zurück nach Hamburg…

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Das ist keine Clutch!

Das ist keine Clutch!

In meinem Blog geht es nicht darum, nur eine Meinung über diesen oder jenen Modetrend kund zu tun. Ich finde es viel besser, Inspiration zu schaffen und – wenn möglich – auf was ganz Neues aufmerksam zu machen.

Auf meiner letzten Urlaubsreise nach Neapel hatte ich die seltene Gelegenheit, in einigen Geschäften einzukehren, die es verwunderlicher Weise in Deutschland nicht gibt! Dazu zählen zum einen die einzigartige Parfümerie-Kette Sephora (Anmerkung: Sephora gab es vor ca. 15 Jahren für kurze Zeit in Deutschland) sowie der intelligent-hübsche Taschenhersteller Carpisa

Carpisa bietet nicht nur wunderschöne Handtaschen, Koffer, Geldbeutel und artverwandte Accessoires wie Schlüsselanhänger, Gürtel & co. an, sondern wagt es auch, mal extravagant, verrückt und vor allem erfinderisch zu sein.

Um diesen Erfindungsreichtum geht heute. Bereits letztes Jahr habe ich eine Art Schmuck-Necessaire bei Carpisa in Rom entdeckt und mich auf Anhieb verliebt. Vernünftig wie ich bin, habe ich es nicht gekauft. Nein, es lief nicht ganz so ab, denn zu dem Zeitpunkt hatte ich an der Kasse bereits zwei Hingucker-Handtaschen erworben. :-p

Dieses Schmuck-Necessaire ähnelt im geschlossenen Zustand einer Clutch, aufgerollt eher einem Kosmetik-Necessaire zum Aufhängen. Innen sind verschiedenen Löcher, Ösen und „Stränge“ vorhanden, an die sich unkompliziert diverser Schmuck anbringen lässt. In meinem Fall Ohrringe, Ketten, Armbänder, Uhren und Ringe.

 

Über die richtige Bezeichnung lässt sich sicherlich streiten, nicht aber darüber, dass es mich auf allen Riesen begleiten wird, denn

A) es verhindert, dass mein Schmuck zu Bruch geht.

B) es ermöglicht mir, meinen Schmuck überall übersichtlich und ordentlich zu halten.

C) es ist richtig fancy.

Ein bisschen leid tut es mir dann doch, dass es sich nicht um eine Clutch handelt, denn bis zum ersten Einsatz muss ich bis zu meinem nächsten Urlaub warten.

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Schmuck auf den Fotos: Armband in Marmoroptik von H&M, bronzefarbene Uhr von Casio, Doppelring „Paris“ von I am, Ear-Cuff von H&M, bronzefarbene Hexagon-Ohrringe von I am, Ohrringe mit bordeauxroten Steinen von I am, Ohrstecker Camé-Optik (Geschenk), Fransenkette von Bershka und Glaskette mit echter Blume von dawanda.de

 

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: meinen Kleiderschrank

Ich packe meinen Koffer und nehme mit: meinen Kleiderschrank

Reisen ist was Schönes! Ja, wohl kaum jemand würde dem widersprechen. Ich am allerwenigsten. Schließlich erwartet mich im Urlaub eine Zeit, in der ich tun und lassen kann, was ich will: ganz ohne Verpflichtungen, Überstunden oder frühes Aufstehen. In der Regel besichtige ich Orte, an denen ich viel Kultur und Kunst entdecken kann, oder ich entspanne an der kroatischen Adria.

Die Vorfreude ist also immer sehr groß bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, nämlich dem des Kofferpackens. Oh Schreck, Grauen, Horror und Dunkelheit.

Wer meinem Blog folgt, wird es schon wissen. Ich untermale einer Zwangsstörung gleich jeden Augenblick meines Lebens mit Mode. Schrank aufgemacht, Inspiration hervorgeholt, Outfit zurechtgemacht. Auf Reisen jedoch muss ich mir schon im Voraus überlegt haben, in welchen Lieblingsstücken ich mich in dem einen oder anderen Moment meines Urlaubs am besten fühlen werde. Das ist für mich eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, deshalb aber auf Urlaub zu verzichten: No way!

Vor etwas über einer Woche war ich genau mit dieser Situation konfrontiert. Ich habe mich auf die lange ersehnte Reise nach Neapel vorbereitet. Seit Jahren wollte ich schon in diese chaotische Schönheit am Vesuv. Jetzt war es endlich soweit, aber die Vorstellung, den Koffer hinter dem Bett hervorzuholen und mit dem Packen zu beginnen, vermieste mir beinahe die Stimmung.

Ich wäre nicht schon 32, wenn ich mit den Jahren nicht einen Schuss Reife und Vernunft erlangt hätte.

Um das Problem mit dem „Ersatzschrank“ namens Koffer erst gar nicht aufkommen zu lassen, ging ich pragmatisch an die Sache heran: „Es ist ein Städtetrip, bei Temperaturen von um die 16, 20 Grad und ich bleibe 6 Tage. Damit wären die Sandalen und Bikinis schon mal gefahrlos aussortiert.“ Gut, aber was ist mit den ca. 30 Hosen, 40 Oberteilen, 20 Jäckchen und Jacken, 20 Schuhen und erst mit den Taschen und und und, die in meinen Schränken auf ein Mitfahrticket warten?  Der nächste Schritt ist ganz einfach (= Ironie). Anhand der Urlaubstage schätze ich ungefähr ab, wie viele Outfits ich überhaupt benötige. Weil das nicht so einfach zu beantworten ist – schließlich ziehe ich pro Tag auch mal zwei verschiedene Outfits an -, beginne ich mit den Basics: Slips, Socken etc. Gar nicht so schwer! (Die Motivation steigt.)

Jetzt kommen die schweren Geschosse: Ich wähle Hosen, Oberteile, Schuhe und Kleider/Röcke aus, die ich einfach gerne trage und fange dann an, in meinem Kopf (oder tatsächlich angezogen vorm Spiegel) die Teile miteinander zu kombinieren. Was überzeugt, bleibt, was nicht, wird zunächst (!) beiseite gelegt. Ich trenne mich halt einfach nicht so gerne von einer vermeintlich perfekten Outfit-Idee für den Urlaub. Dieses ganze Procedere kann 1 Stunde oder wenn es ganz hart auf hart kommt bis zu 5 Studen dauern. Ja, richtig gelesen.

Es ist eigentlich so verrückt, dass ich selber darüber lachen muss.

Am Ende habe ich alle Teile vor mir ausgebreitet, kenne die besten Kombinationsmöglichkeiten und weiß, wie toll ich mich mit diesen Klamotten fühlen werde, wenn ich schon in ein paar Tagen durch die engen Gassen Neapels wandere. Wer glaubt, damit sei die Sache erledigt, der irrt sich. Jetzt ist der Moment gekommen, in dem ich mein „Werk“ fast zum Scheitern bringe. Ich frage mich zum Abschluss ganz selbstkritisch: „Brauchst du das wirklich alles?“ Wie ihr euch denken könnt, lautet die Antwort meistens ja, zumindest so lange bis ich anfange, den Koffer zu beladen und merke, dass er vielleicht nicht zugehen wird oder aber dass er die Mindestgrenze von 20 kg überschreiten wird.

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Entweder ich packe alles wieder aus, gehe erneut die Anwendungs- und Kombinationsmöglichkeiten durch oder ich habe das Gefühl, einige „schwarze Schafe“ schon im Vornhinein eingepackt zu haben, und werde sie emotionslos wieder los.

Spätestens wenn die Nerven blank liegen und die körperliche und mentale Mündigkeit eintritt, ist aber auch bei mir Schluss mit diesem Wahnsinn und ich sage mir:

Egal, was ich vielleicht vergessen habe oder was ich vielleicht benötigen werde, ich kann es zur Not dort kaufen!

Man sieht, ich bin hoffnungslos der Mode verschrieben und werde es trotz jeglicher selbst gestellter Fallen auch bleiben. Übrigens das „schwarze Schaf“ Jeansjacke, das ich im letzten Moment in den Schrank zurückgehängt habe, hat mir in der Tat vom ersten Tag an gefehlt. Zum Ausgleich war ich dann einfach in Neapel shoppen. Viva il dolce shopping!

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