6 Tipps für deine „fabelhafte Welt“ im Lockdown

6 Tipps für deine „fabelhafte Welt“ im Lockdown

Coronakrise

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen, nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch bei uns selbst. Die Coronakrise hat unseren Alltag von heute auf morgen verändert. Das Ausharren wird für viele zu einer enormen Geduldsprobe. Doch mit Frustration oder Panik wird es sicher nicht besser. Mit ein wenig Fantasie kannst du viele Outdoor Aktivitäten einfach nach drinnen verlagern. Meine 6 Tipps für deine „fabelhafte Welt“ im Lockdown.

1 Mode und Bummeln

In meinem letzten Artikel habe ich beschrieben, wie erfüllend es sein kann, den Kleiderschrank umzuräumen. Einmal, weil dir bewusst wid, Extra-Zeit gewonnen zu haben. Andererseits weil Mode Spaß macht! Endlich hast du wieder einen Überblick, weil du Altes und nicht Getragenes aussortierst. Du stehts vor deinem Schrank und es kommt dir vor, als ob du im Geschäft stündest und nicht wüsstest, welches Teil dir am besten gefiele (und alle gehören bereits dir).

Das Aussortierte kannst du zum Verkauf stellen, schwupsdiwups, entsteht noch eine Freizeitbeschäftigung für alle Mode-Begeisterten. Denn die Kleidungsstücke müssen mit der Kamera einigermaßen in Szene gesetzt werden, wenn du deine Verkaufschancen erhöhen möchtest.

Ich gebe zu, es ist auch eine Fleißaufgabe, wenn du mehr als 5 Teile abfotografieren möchtest, aber es macht auch Spaß, versprochen. Du musst nur mit der richtigen Einstellung an die Sache rangehen: nicht „Ich muss das jetzt tun!“, sondern „Hey, ich werde kreativ und mach mein eigenes Foto-Shooting!“.

Es war sehr amüsant, quasi in verschiedene Rollen zu schlüpfen: mal als Geschäftsfrau im Business Look, mal als Touristin beim Spaziergang am Strand. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, du muss sie nur zu lassen. (PS: Ich musste viele Sachen aussortieren, weil sie mir nicht mehr passen, also Obacht, es steckt eventuell eine Frustrationsgefahr in der Unternehmung. LOL)

Und noch etwas kannst du tun, wenn du Mode liebst. Das mache ich übrigens auch unabhängig von der Coronakrise. Ich schaue mir z. B. bei About You die Stories an, und lasse mich inspirieren, aber nicht zum Kauf, sondern zu ähnlichen Outfits mit den Klamotten, die ich schon habe.

2 Home Spa

Hand aufs Herz: Wie viele Kosmetikprodukte stehen ungenutzt in deinem Bad? Bei mir sind es etliche. In der Drogerie zum unnötigen Kauf verleitet, zuhause aus Zeitmangel einfach hübsch im Regal drapiert.

Ach, Besitz macht so glücklich… Von wegen. Doch jetzt hast du die Chance, dich auf alle die Peelings, Masken, Cremes, Schlammpackungen und mehr zu stürzen. Bei mir ist die Situation besorgniserregend, denn ich horte auch noch unzählige Kosmetikproben. ^_^

Deshalb verwandle dein Home in ein Spa. Ob tagsüber mit Maske vorm Rechner sitzend (sorge dafür, dass du keine Video-Meetings mit Kollegen*innen hast ^_^) oder abends vorm Fernseher bei deiner Lieblingsserie: Gönn‘ dir was!

Goldenes Tablett mit Kosmetikartikel für Home Spa

„Mach dir bewusst, dass du das für dich tust. Allein das kann uns glücklich machen. Das Motto lautet: Gönn‘ DIR was!“

3 City Trips & Reisen

Nein, das ist kein schlechter Witz. In diesem Beitrag drehen sich alle Tipps um deine Fantasie. Ich liebe es zu reisen, ja du auch! Und ich liebe es, Fotos zu machen, ja du auch! Aber was passiert mit den Fotos, wenn wir aus dem Urlaub wieder zurück sind? In der Regel landen sie, wenn überhaupt, auf einer extra-großen Terrabyte-Festplatte. Ehrlich gesagt tragen wir so unsere hübschen Fotos einfach nur zum virtuellen Friedhof.

Jetzt könnten wir doch mal diese Fotos aus der digitalen Schublade holen und anfangen, positive Gefühle zu wecken. Nimm dir bewusst Zeit, und schau dir die Foto von deinen letzten Urlauben an. Du wirst automatisch gedanklich auf Reise gehen. Es ist fantastisch und kostet uns nichts außer Zeit, von der wir jetzt mehr als sonst haben.

  • Notre Dame Paris
  • Blick auf den Vesuv und Hafen von Neapel
  • Hängematte in einem antiken Garten auf Hvar, Kroatien

Übrigens kannst du dich hier von deiner solidarischen Seite zeigen, und Fotos mit deinen Freunden in den sozialen Medien teilen, die so „mitreisen“ können. Eine solche Aktion kursiert bereits seit Tagen auf Facebook.

4 Kunst & Museen

Ich liebe die schönen Künste. Während meines Erasmus-Aufenthalts in Paris besuchte ich mindestens 30 Museen und Galerien: Monet, eine große Sonderausstellung zu Klimt, Schiele und Kokoschka, Picasso, Dalì, Louvre sowieso, ach Paris, je t’aime!

Eines habe ich seither nicht gemacht, in den Büchern und Bändern gestöbert, die ich dort oder später gekauft habe. Ich habe einige Bücher zu Klimt, zu Tamara de Lempicka, eines über Malerei, und natürlich eines über Mode. Und wenn du keine Kunstbücher zuhause hast, dann nutze die virtuellen Angebote von Museen auf der ganzen Welt. Eine schöne Liste hat GEO neulich veröffentlicht.

5 Kino

Keine Sorge, du bekommst von mir jetzt nicht den so nahe liegenden Tipp dir schöne Netflix-Abende zu machen. Aber es geht schon in die Richtung. Genau genommen habe ich 3 Zusatz-Tipps für deine Netflix-Corona-Auszeit:

  1. Auf Netflix gibt es weit mehr Filme, als uns in unserer persönlichen Startseite angezeigt wird. Techbook verrät, mit welchem Trick man das Netflix-Archiv erreicht.
  2. Zeigt euch wie mit euren Urlaubsfotos (s.o) solidarisch und teilt eure Filmtipps mit Freunden.
  3. Ich persönlich halte nichts davon, jetzt aufs Online-Shopping überzugehen. Denn die Paketzusteller sind eh schon einem höheren Ansteckungsrisiko ausgesetzt als wir Daheimgebliebenen. Wenn ihr aber ohnehin schon dabei seid, dann könnte sich ein Projektor fürs Heimkino lohnen, mit dem ihr Filme vom Handy auf die Wand projiziert. Einfach mal in der Suchmaschine nach Handy Beamer oder Handy Projektor suchen.

6 Vorfreude-Liste

Nichts ist schöner als Vorfreude? Ich glaube, ja! Das Warten verwandelt sich in ein Foranschreiten, in einen Countdown hin zu einem besonderen Ereignis.

Ich weiß, dass das Ende der Coronakrise noch in den Sternen steht. Aber unabhängig davon, sollte man gerade jetzt träumen dürfen. Man sollte die Zeit auf gute Gedanken konzentrieren, ohne das Schlechte zu verdrängen. Ich habe eine Liste angefangen, in der ich die Dinge notiere, auf die ich mich besonders (vor-)freue! Eine Idee, wie diese Liste aussehen kann:

  • Sonne auf der Haut spüren; und es wird immer wärmer
  • Den Himmel beobachten
  • Im Café sitzen
  • Jedes Wochenende ein anderes Restaurant der Stadt ausprobieren und damit der örtlichen Gastronomie-Landschaft unter die Arme greifen
  • Freunde treffen und umarmen
  • Den Weg zur Arbeit bewusst wahrnehmen und sogar genießen
  • Mehr Dankbarkeit zeigen für die (Wahl-)Freiheit

Corona-Pandemie: Deine Chance in der Krise

Corona-Pandemie: Deine Chance in der Krise

Die Pandemie hat uns fest im Griff! Ja, das könnte man so sagen. Man könnte aber auch alle Beschränkung in Relation setzen zu unseren immer vorhandenen Freiheiten. Und siehe da: etwas Positives stellt sich ein.

Ich war schon immer eine Rebellin. Ich habe mich zwar nur selten lauthals der „Ordnung“ widersetzt; aber doch gerne, klammheimlich, am Rande, fast unbeobachtet und ein wenig stolz auf mein Abdriften von der Norm. Ob in der Schule, in der Mode oder beim Apple-Wahn, ich ging und gehe oft einen ungewöhnlichen Weg. Nun kommt mir dieses stille Aufbegehren sogar entgegen. Ich drehe den Corona-Wahn um: Aus „alles steht still“ wird für mich „so viel mehr ist jetzt möglich!“

Die Quarantäne als Zeitgeschenk begreifen

Sicherlich bin ich keine Pionierin beim Thema Wie kann ich meine Zeit sinnvoll während der Corona-Pandemie nutzen? Aber neben all den Tipps und Ratschlägen, die das Internet genauso heftig attackieren wie Covid-19 unser Immunsystem, lade ich dich dazu ein, die Corona-Ausnahmesituation in ein anderes Licht zu setzen.

Wie kann das aussehen? Ich habe mir zum Beispiel vorgenommen, meinen Kleiderschrank auszumisten. Du siehst, das ist keine geniale Idee, sondern wahrscheinlich Tipp Nr. 5 auf der Liste aller aktuellen Corona-Quarantäne-Tipps. Das Besondere bei meiner Ausmist-Aktion war jedoch nicht die Tätigkeit an sich, sondern das Zelebrieren dieser Möglichkeit und was diese bei mir auslöste.

Was es da zu zelebrieren gibt? Das wertvollste, was der Mensch hat: Zeit! Indem wir uns auf den Zeitgewinn und nicht auf den Freiheitsverlust konzentrieren, bekommt die Corona-Krise einen positiven Touch, ohne natürlich die Gefahr, das Leid und die Trauer um die Verstorbenen zu verharmlosen!

Meine 4 special moments beim Schrank ausmisten

Auch wenn sich die aktuelle Situation für wenige wirklich gut anfühlt, so ist die Corona-Krise in gewisser Weise eine extrem lange Me-time! Du hast jetzt die Chance, dich mit Tätigkeiten zu beschäftigen, die du sonst auf die lange Bank schiebst. Und dies kann das Ausmisten deines Schranks bewirken:

  1. Stolz: Du bist stolz auf dich, dass du diese Aufgabe endlich in Angriff nimmst und insbesondere freust du dich, dass du dafür endlich Zeit hast.
  2. Dankbarkeit: Du wirst dir wahrscheinlich bewusst werden, wie „reich“ du bist. Ich meine ausgedrückt in Kleidungsstücken. Bei mir war das so. Ich wusste, da ist viel zu viel. Aber als ich fertig war, fühlte ich mich dankbar für all die Klamotten, die ich besaß, wo ich doch Mode so sehr liebe.
  3. Ordnung: Ich meine damit nicht die neue, fantastische, kaum zu glaubende Ordnung im Schrank, sondern die Ordnung in meinem Geist. Klamotten aussortieren macht auch etwas mit deinem Geist, so als ob du ihn von Altlasten befreien würdest.
  4. Tagträume: Ich vermute, jeder Fashionista geht es ähnlich. Sie weiß ganz genau, wann sie welches Stück wo gekauft hat und zu welchem besonderen Anlass sie es getragen hat. Ich habe mit dem Ausmisten, Neuordnen und Umhängen eine lange Reise durch ca. 2 (!) Jahrzehnte gemacht.
  5. Vorfreude: Nachdem ich jetzt endlich einen guten Überblick über alle meine Klamotten habe, werde ich hoffentlich auch öfter mal „was anderes“ anziehen. Das lässt die Vorfreude (einer Modeverrückten) auf die Zeit nach Corona noch höher steigen.

Diese Aktion hat noch einen positiven Nebeneffekt: Da ich jetzt wie jede*r andere auch so viel Zeit zuhause verbringe, komme ich ziemlich oft an meinem Schrank vorbei und freue mich immer wieder über die innere und äußere Neuordnung! Würde ich nicht zuhause sein, würde ich diesen Effekt etwas seltener zu spüren bekommen.


Dinge passieren und wir haben sehr selten Einfluss darauf. Was wir aber beeinflussen können, ist unsere Reaktion darauf. Dies ist kein schlauer Satz von mir, sondern tausendfach zitiert und wiedergekaut. Doch ich finde ihn gerade jetzt angesichts unserer Freiheitseinschränkung und einer leicht entflammbaren Panik passender denn je!

Das war mein 1. Beitrag seit 2 Jahren! Nicht die Corona-Krise hat mich dazu gebracht, sondern viele weitere unliebsame Ereignisse in meinem Leben, die der Corona-Pandemie vorangegangen waren und mir eines gezeigt haben: Das ist MEIN Leben und kein System, kein Arbeitgeber, kein Job, kein Freundeskreis und keine Beziehung ist es wert, wenn sie es nicht wert ist! In diesem Sinne: Ändere, was du nicht ertragen kannst und tue ganz viel von dem, was dich glücklich macht!

Überdosis Mode

Überdosis Mode

Die Luft ist raus! Ich weiß nicht mehr, wie man shoppt. Oder jetzt mal ehrlich ausgedrückt: Ich habe in den letzten Jahren so viel geshoppt, dass ich zurzeit an einer Überdosis an Klamotten leide. Doch spulen wir mal zum Anfang zurück.

Das Spiel von Sucht und Verzicht

Ich habe von klein auf Mode geliebt und mich abhängig von Kleidungsstücken schon als Sechs-, Acht-, Neun-, Zehnjährige usw. ganz besonders gefühlt. In meinen Teenagerjahren litt ich stark darunter, dass mein Taschengeld einfach nicht für all das reichte, was in der Bravo Girl und in der Mädchen angepriesen wurde. Meine Eltern hatten logischerweise andere Sorgen, als einem ihrer beiden Kinder Unmengen von Hosen, T-Shirts, Taschen und Schuhen zu kaufen. Verzichten war an der Tagesordnung und das damit verbundene Leiden nahm absurde Ausmaße an. Ich war neidisch, weil meine Freundin immer alles bekam, un ich fühlte mich unattraktiv.

Eines Tages kam ich auf die Idee, Zeitungen auszutragen, um mir was dazuzuverdienen neben dem Taschengeld. Das hatte zwei Vorteile: Erstens war ich aktiver, zweitens hatte ich endlich etwas mehr Geld, um mich bei der damals noch einzig brauchbaren Modekette H&M auszustatten. Doch in dieser Zeit begriff ich (endlich), dass es neben Mode (obwohl sie die unangefochtene Nummer eins blieb) noch andere schöne Sachen gab, für die man Geld benötigte. Und das war und ist das Reisen.

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Nun wurde also mein Problem schlimmer, denn ich brauchte ja das Geld für zusätzliche Kleidungsstücke für den Urlaub und den Urlaub selbst. (Ja, für mich macht es einen modischen Unterschied, ob  ich im Urlaub oder zuhause bin.) Also fokussierte ich mich immer kurz vor der Abreise auf das Zusammenstellen einer idealen Urlaubsgardarobe. Ich realisierte zu dem Zeitpunkt, dass der Kleiderschrank einfach nicht in den Koffer passte. Also musste ich wieder lernen, zu verzichten.

Im Urlaub entdeckte ich dann die schöne Nebenerscheinung von „zu wenig“ Klamotten und das war Kreativität. In einem früheren Beitrag („Inspirationsquelle: Sommer“) schrieb ich von genau diesem Phänomen. Wenn man wie ich jeden Tag ein anderes Outfit braucht, muss man in einem zwei- bis dreiwöchigen Urlaub erfinderisch werden. So verwandelt sich ein Pencilskirt in ein Kleid und einfache Tops wirken zu schicken Hosen kombiniert einfallsreich. Verzicht wurde also ungewollt zu etwas Positivem … (endlich).

Das Gute siegt immer am Ende …

Das Spiel aus Verzicht und Shoppingsucht ging mithilfe von Minijobs während der Schul- und später während der Studienzeit weiter bis ich 2010 anfing, zu arbeiten. Das war mein triumphaler Sieg über den Verzicht! Hach, endlich hatte ich genug Geld, um zu shoppen bis der Arzt kommt. Am Anfang war ich noch recht vernünftig und streckenweise zurückhaltend, da ich ja nicht gleich genug verdiente. Doch die Jahre vergingen und die Beförderungen kamen. Damit kamen auch die wöchentlichen Shoppingtouren. Gesteigert habe ich das Ganze, indem ich mich in die grenzenlose Welt des Online-Shoppens begab. Ach, war das schön!

Ich habe aber nicht damit gerechnet, dass mein Schrank schon bald aus allen Nähten platzen würde. Ich hatte mich bis dahin nie mit dem Gedanken auseinandergesetzt, dass ich zu viele (!) Klamotten, Schuhe und Taschen haben könnte. Aber es wäre ja gelacht gewesen, wenn ich nicht schnell Abhilfe gefunden hätte. Ich besorgte mir einen schmalen Schrank einzig und allein für meine Taschen und Schuhe. Das erschien mir nicht etwa übertrieben, sondern brachte mich meinem ewigen Traum von einem Ankleidezimmer näher. Mein halbes Schlafzimmer war ab jetzt der Mode gewidmet. Super!

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Aus Verzicht werden Träume gemacht

Heute befinde ich mich an einem Wendepunkt im Leben. Es geht mir um die Frage, womit ich mein Leben ausfüllen möchte. Was soll am Ende in Erinnerung bleiben, wenn ich im hoffentlich hohen Alter darauf zurückschaue. Klamotten sollen es sicher nicht sein – und können sie auch gar nicht. Ich möchte mich hier nicht als pseudo-geläuterte Person hinstellen und erzählen, wie sinnvoll und frei ich nun lebe. Natürlich liebe ich Mode nach wie vor. Doch mir passiert es immer häufiger, dass ich durch Zufall in meinem Schrank Kleidungsstücke entdecke, die ich erst vor Kurzem gekauft hatte, jedoch schon fast wieder vergessen habe. An diesem Punkt frage ich mich eben, wie sehr habe ich dieses oder jenes wirklich gebraucht und hätte ich das Geld nicht lieber für was anderes verwenden können.

Es ist es seit Jahresanfang bei mir so, dass ich mehr als gesättigt bin (wir haben jetzt Ende Februar, also mal sehen, wie weit ich komme). Wenn ich in einen Laden gehe, sehe ich immer noch schöne Dinge, die ich unbedingt haben will, doch dann kommt erst: „Brauchst du das wirklich?“, gefolgt von:“ Ist es dir wirklich so viel wert, oder möchtest du lieber für was anderes sparen?“ Genau darin liegt die Wahrheit zurzeit für mich. Ich möchte in baldiger Zukunft, eine lange Reise machen. Und jede Anschaffung lege ich auf die Goldwaage zusammen mit diesem Traum. Der Traum siegt bisher haushoch!

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Mit 34 Jahren hat man schon einige schöne Erinnerungen in seinem imaginären Tagebuch gesammelt, die zum Durchblättern und Schwelgen anregen. Sollen weitere Seiten dieses Buches gefüllt werden, so ist es an der Zeit, ganz klare (oder neue) Prioritäten zu setzen. Mode wird immer ein wichtiges Kapitel in meinem Leben bleiben, doch wie ich gesehen habe, verwandelt sich Verzicht auf die eine oder andere Weise immer in etwas Positives. In diesem Sinne: Genieße ich, was mein Kleiderschrank zu bieten hat, erlaube mir ein paar Suchtmomente und träume zielsicher von der schönsten Erinnerung meines Lebens!

 

 

(Pf)ui! Das trägt man jetzt wieder

(Pf)ui! Das trägt man jetzt wieder

Es ist kein Geheimnis, sondern ganz im Gegenteil, es ist ein offenes Statement, dass Mode der vergangenen Jahrzehnte wieder auf die Laufstege und Straßen gebracht wird. Ich beschäftige mich immer wieder mit diesem Phänomen und frage mich, ob Modeschöpfung an ihre Grenzen gekommen ist oder ob etwas anderes dahintersteckt, Vergangenes für modern zu verkaufen.

Es gibt meiner Meinung nach ganz unterschiedliche Thesen, die erklären könnten, warum das so ist. Am Ende liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

Modeschöpfer möchten vielleicht betonen, dass Trends, die lange keine mehr waren, es eigentlich nicht verdient haben, nur auf den Wühltischen von Flohmärkten ihren Glanz zu verbreiten. Plateauboots mit grober Sohle, Beuteltaschen für die Hüfte, Buffalo-Stiefel, Cateye-Sonnenbrille, Choker-Ketten und, und, und sind in den Augen mancher Designer vielleicht einfach wirklich schön! Manches würde ich unterschreiben, aber eben nur manches, obwohl ich selbst mal Anhängerin der besagten Teile gewesen bin.

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Photo by Atikh Bana on Unsplash

Ich beobachte aber auch, dass ein eigentlich altmodischer Stil kopiert wird, um sich gerade von den Trends und von dem Mainstream abzuheben. Letztens habe ich im Bus einen jungen Typen gesehen mit Schnäuzer, Bubikopf-Haarschnitt und runder Brille. Er erinnerte mich an einen Intellektuellen oder an einen Künstler der 20er oder 30er Jahre. Vermutlich geht es ihm darum, das Anderssein zu betonen, ohne viel darauf zu geben, dass es vergangene Stilelemente sind, die jetzt wieder in sind oder sein könnten.

Was mich sehr langweilt, ist zu sehen, dass alte Trends von Kopf bis Fuß kopiert werden, ohne für etwas zu stehen. So beobachte ich oft in der Einkaufsstraße diese Horden von jungen Mädels, die nicht nur alle untereinander gleich gekleidet sind, sondern auch noch identisch zu ihren vermeintlichen Vorbildern. Zwei Teenies hatten wohl die Zeitmaschine aus dem Jahr 1994 genommen: Karottenhosen, Stoffhaargummis, bauchfreie T-Shirts und Rucksäcke. In diesen Fällen handelt es sich zwar auch darum, sich abzugrenzen, doch sie haben in den 90ern noch nicht gelebt und sie haben sich vermutlich auch nicht mit diesem Abschnitt in der Modehistorie auseinandergesetzt. Sie verbinden mit der Kleidung nicht so sehr ein Jahrzehnt samt Lebensgefühl, sie tragen einfach etwas für sie Neues.

Die schönste These ist für mich die, dass weniger Trends als vielmehr ein Lebensgefühl kopiert wird. Sie deckt sich ein wenig mit der Überlegung von weiter oben. Der junge Kerl, der den aufstrebenden Individualismus der 20er bzw. 30er Jahre oder etwas Vergleichbares nach außen tragen will. Je weiter man in der Modegeschichte zurückgeht, desto offensichtlicher wird die Weiblichkeit in der Frauenmode, mal auf eine sehr züchtige Art und Weise (50er Jahre), mal auf eine gänzlich extrovertierte Erscheinungsweise (60er, 7oer und 80er Jahre). Mir persönlich gefallen die 70er sehr gut. Ich habe einige Teile aus dieser Zeit in Vintage-Shops ergattert und beim Tragen habe ich dieses besondere Gefühl einer bewussten Betonung der Weiblichkeit, der Freiheit, der Leichtigkeit, der unbegrenzten Möglichkeiten. Die Ästhetik von einst ist für mich nicht verblasst und lässt mich anders fühlen, macht Mode zu etwas wirklich Besonderem.

Je weiter man in der Modegeschichte zurückgeht, desto offensichtlicher wird
die Weiblichkeit in der Frauenmode, mal auf eine sehr züchtige Art und Weise
(50er Jahre), mal auf eine gänzlich extrovertierte Erscheinungsweise
(60er, 7oer und 80er Jahre).

Was auch zum Teil geschieht, ist die Neuinterpretation von alten ‚Trends. Ich finde bei der Hornbrille hat sich das so vollzogen. Während sie früher eben das aktuelle Gestell für jedermann war, ist sie heute vor allem bei Hippstern oder bei einer bestimmten Berufsgruppe (Werbung, Modeindustrie, künstlerische Berufe) wiederzufinden. Sie wurde mit einer neuen eigenen Bedeutung aufgeladen. Mittlerweile ist die Hornbrille nicht der wiedergekehrte Trend, sondern sie hat sich quasi neu erfunden. Konträr lief es wohl mit dem Converse-Sneaker: früher nur für die flippige Jugend, heute hat jeder ein Paar zuhause (mich ausgenommen). 

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Photo by Arnaud Mesureur on Unsplas

Es liegt natürlich immer alles im Auge des Betrachters und ich weiß nicht, was jemand anderes denkt, wenn er mich in meinem Hosenrock mit Paisley-Muster sieht, aber mir gefällt es, wenn Mode „spricht“, egal aus welchem Jahrzehnt sie stammt. Das ist es überhaupt, was mich persönlich an Mode fesselt. Sie drückt etwas aus (ob gekonnt oder nur gewollt, das sei mal dahingestellt). Sie ist für mich die zweit schönste Sprache der Welt.

 

 

 

Palermo, die Aufstrebende

Palermo, die Aufstrebende

Als ich vor einem Jahr beschloss, diesen Blog zu führen, war mein Antrieb, einen etwas anderen Modeblog zu schreiben, nämlich einen Blog über das Lebensgefühl „Mode“ (und nicht so sehr über die Must-haves der Saison). Egal, wohin ich gehe, Mode umgibt mich, Mode zieht mich an, weil ich nun mal so bin. Wenn ich neue Orte bereise, so geht es natürlich um Architektur, Lebensgefühl, Kultur und Sprache, doch für mich auch immer um Mode. Worauf würde ich in Palermo treffen?

Beeinflusst von der unglaublichen Erfahrung in Neapel vor einem Jahr, machte ich mich auf einen bestimmten Stil gefasst, der sich generationenabhängig durch die Bevölkerung zieht. Doch, nein, ich bin mir keiner inspirierenden Auffälligkeit bewusst geworden in Palermo. In Neapel dominierte Schwarz kombiniert mit Adidas Sneakern. In Palermo…. Tja, in Palermo dominierte eher das Dasein. Wie von einer mediterranen Stadt am beinahe südlichsten Zipfel Europas nicht anders zu erwarten, ist das Beisammensein, die spontanen Ansammlungen an den Piazzen, Gassen und Straßenecken das Gebot des Lebens. „Kleider machen Leute“ erschien mir als Lebensmotto hier geradezu lächerlich. Sicherlich ist Palermo eine Stadt mit vielen Problemen, wie Arbeitslosigkeit und einer paralysierenden Perspektivlosigkeit, die einen eher dazu treiben, sich ums pure Überleben als um die Kleiderauswahl zu kümmern. Eines ist jedoch ganz klar:

Die Palermitaner bleiben bei all dem irgendwie beneidenswert
entspannt und lebensfroh.

In anderen Reiseberichten und -blogs war von der Omnipräsenz der Mafia die Rede und von zum Teil unfreundlichen Stadtbewohnern, doch all dem kann ich nur bedingt zustimmen. Ja, es gibt die Mafia, doch viel auffälliger waren die Plakate, Graffitis und Aufkleber, die die Bekämpfung der Mafia propagierten. Natürlich durfte auch ich am Rande erfahren, dass unser unglaublich sympathischer, von sizilianischem Temperament strotzender Restaurantbesitzer das eine oder andere Wort über Schutzgeld, dem pizzo, fallen ließ. Doch dabei beeindruckte mich (erneut) der Wille, dagegen vorzugehen, der Wille sich nicht unterjochen zu lassen und der Wille, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen. (Einige lautstarke Gespräche am Handy verrieten dies. LOL)

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Anti-Mafia-Sticker an der Haustür.

Wenn wir schon bei einem Modeblog sind, dann sollte der sehr eigene Kleidungsstil dieses Herren nicht unerwähnt bleiben. Auf dem Kopf die „Coppola storta“, am Oberkörper ein Gillet sowie eine merklich uninteressante Jeans und schön, abgetragene Herrenlederschuhe. Beinahe wie der Zeitungsverkäufer auf der Straße aus den 20er Jahren.

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Coppola storta, der typisch sizilianische Herrenhut.

Auch ein Grund, aus dem ich nicht allzu viel über die Modetrends der Frauen in Palermo schreiben kann, ist die Tatsache, dass das Stadtbild von Männern geprägt war. Wohl ein Ausdruck des doch ziemlich stark vorherrschenden Patriarchats in diesem Teil Italiens bzw. Europas. Auf den sehenswerten Märkten, Ballarò e Capo, wo der Orient und Okzident miteinander verschmelzen, sieht man Männern. In den meisten Restaurants bedienten Männer. Auf den Straßen: Männer. In dem, einem Ghetto leider sehr nahe kommenden, Stadtviertel nahe des Hafens: Männer. Und deren Kleidungsstil ist praktisch, nicht ausgesucht.

Glücklicherweise (für diesen meinen Blog) kann ich eine mir den Atem raubende Überleitung zu einem ganz besonderen Mann Palermos an dieser Stelle anfügen. Ich hatte die fantastische Idee, während meines Urlaubs in die Oper zu gehen, ins Teatro Massimo. Unter den Besuchern mischten sich der Casual-Look mit dem, tja, wie möge man das nennen, mit dem Pompös-Ausgefallenen! Während der Pause entdeckte ich einen Mann, dessen Existenz mir nur in Filmen möglich schien. Liberace in Person stand vor mir. Ein Herr um die 60, blondiertes, in einen weichen Seitenscheitel gelegtes mittelkurzes Haar, um die Schultern eine langer Pelzumhang, der die zahlreichen Perlen- und Goldketten um dessen Hals beinahe verschlang. An den Füßen trug der zierliche Herr Damenschuhe mit einem kleinen Absatz so wie es die First Lady der 60er bevorzugte. Um ihn herum scharwenzelten seine Accessoires: junge, bildhübsche, schwule Männer um die 20.

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Das atemberaubend schöne Teatro Massimo.

Ich war baff. Ich war fasziniert von der Selbstverständlichkeit seines Aussehens, seines Gehabes, seiner Entourage! Ziemlich schnell merkte ich, dass außer mir kaum einer starrte, was nur bedeuten konnte, dass er keine unbekannte Persönlichkeit sein konnte. Wie sich am Ende herausstellte war es der Nachkomme einer uralten, reichen Familie aus Palermo. Selbst beim Schreiben überkommt mich das Gefühl, Teil eines Films oder einer Zeitreise in den Barock gewesen zu sein – natürlich nicht zuletzt auch wegen des grandiosen Teatro Massimos.

Ich war baff. Ich war fasziniert von der Selbstverständlichkeit
seines Aussehens, seines Gehabes, seiner Entourage!

Außer Liberace traf ich auch noch den Jäger aus Rotkäppchen, der mit seinem schweren, dunklen Cape die Gänge des alten Theaters nach Wölfen absuchte. Alle anderen Besucher waren wie oben erwähnt entweder deutlich unter dem Auffälligen oder haben ins Schwarze eines 08-15-Outfits getroffen.

Auch wenn ich keine inspirierende Erfahrung in Sachen Mode gemacht habe, so doch in Sachen Lebensgefühl, Durchhaltevermögen und natürlich in Sachen gutes Essen. Palermo ist chaotisch, zum Teil in uralten Zeiten zurückgeblieben, rau, manchmal sehr ernst, laut, auch arm, aber es lebt und die Geschichte hat gezeigt, dass es alles überlebt. Eine starke Stadt, die es sich zu sehen lohnt – mit oder ohne Shopping-Pläne!

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